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Rollstuhltennis-Weltrangliste: Rankings im Para-Tennis

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Die Rollstuhltennis-Weltrangliste ist das offizielle Ranking-System im Para-Tennis. Verwaltet von der ITF unter dem Titel „ITF Uniqlo Wheelchair Tennis Rankings“, bildet sie die Leistungen der besten Rollstuhltennisspielerinnen und -spieler der Welt ab. Das System folgt einer ähnlichen Logik wie die ATP- und WTA-Weltrangliste, ist aber auf die besonderen Strukturen des Rollstuhltennis zugeschnitten: weniger Turniere, kleinere Felder und eine Einteilung in Kategorien, die den Grad der körperlichen Beeinträchtigung berücksichtigt.

In einer Sportwelt, die weltweit über 106 Millionen Tennisspieler zählt, ist Rollstuhltennis der Beweis, dass dieses Spiel keine körperlichen Grenzen kennt. Die Rangliste sorgt dafür, dass auch im Para-Tennis Leistung messbar, vergleichbar und anerkannt ist.

Kategorien: Herren, Damen, Quad

Im Rollstuhltennis gibt es drei Hauptkategorien: Herren, Damen und Quad. Die Einteilung basiert nicht auf dem Geschlecht allein, sondern vor allem auf dem Grad der funktionellen Beeinträchtigung. Jeder Spieler wird vor seiner Karriere durch ein medizinisches Klassifizierungssystem eingestuft, das festlegt, in welcher Kategorie er antritt.

In den Herren- und Damen-Kategorien spielen Athletinnen und Athleten mit Beeinträchtigungen der unteren Extremitäten, die das Stehen oder Laufen verhindern, aber die volle Funktion der Arme und Hände erhalten. Typische Ursachen sind Querschnittlähmung unterhalb der Brust, Amputationen oder angeborene Fehlbildungen der Beine. Das ermöglicht ihnen, den Schläger konventionell zu greifen und mit vergleichbarer Schlagtechnik zu spielen wie Fußgänger-Tennisspieler. Die Ballgeschwindigkeit und die Präzision der Schläge stehen dem Fußgänger-Tennis in nichts nach, was jeder bestätigen kann, der einmal ein Halbfinale bei den Wheelchair-Wettbewerben in Wimbledon gesehen hat.

Die Quad-Kategorie richtet sich an Spielerinnen und Spieler mit Beeinträchtigungen, die sowohl die unteren als auch die oberen Extremitäten betreffen. Typische Diagnosen sind Tetraplegie oder bestimmte Formen von Muskeldystrophie. Quad-Spieler befestigen den Schläger häufig mit Klebeband oder speziellen Halterungen am Handgelenk, weil die Griffkraft nicht ausreicht. Das Spiel ist technisch anders, die taktische Tiefe und die Intensität aber vergleichbar. In der Quad-Kategorie spielen Herren und Damen gemeinsam, weil die Felder sonst zu klein wären, um ein sinnvolles Ranking zu erstellen.

In jeder Kategorie werden Einzel und Doppel separat gerankt. Es gibt also insgesamt sechs Ranglisten: Herren Einzel, Herren Doppel, Damen Einzel, Damen Doppel, Quad Einzel, Quad Doppel. Dazu kommen Juniorenranglisten, die den Nachwuchs im Rollstuhltennis erfassen und den gleichen Einstieg ab 14 Jahren ermöglichen wie im Fußgänger-Tennis.

Punktesystem und Turnierstruktur

Die Punkte im Rollstuhltennis werden nach einem System vergeben, das die Turnierkategorien widerspiegelt. An der Spitze stehen die Wheelchair-Grand-Slams, die im Rahmen der regulären Grand-Slam-Turniere ausgetragen werden. In Melbourne, Paris, London und New York spielen Rollstuhltennisspieler auf denselben Anlagen wie die Einzelspieler, oft auf den Showcourts. Der Wheelchair-Wettbewerb ist ein integraler Bestandteil des Grand-Slam-Programms, nicht ein Anhängsel am Rande.

Unterhalb der Grand Slams gibt es die Super Series, vergleichbar mit den Masters-1000-Turnieren im Fußgänger-Tennis. Diese Turniere bieten die höchste Punktzahl nach den Grand Slams und ziehen die stärksten Felder an. Standorte wie Pensacola, Bendigo und Nottingham gehören zum festen Kalender und sind für die Topspieler Pflichtstationen, auch wenn kein formales Commitment-System existiert. Darunter folgen ITF 1, ITF 2 und ITF 3, die kleineren Turnierkategorien, bei denen die Punkte abgestuft sind. Insgesamt umfasst der Wheelchair-Kalender pro Saison über 170 Turniere weltweit.

Das Ranking berechnet sich aus den besten Ergebnissen der letzten 52 Wochen, identisch zum Prinzip der ATP- und WTA-Weltrangliste. Die Anzahl der zählenden Ergebnisse ist jedoch geringer, weil der Turnierkalender im Rollstuhltennis weniger Events umfasst als die Profitour der Fußgänger. Ein Top-Spieler absolviert in der Regel 15 bis 20 Turniere pro Jahr, verglichen mit 25 bis 30 bei den ATP-Profis. Das macht jedes einzelne Ergebnis gewichtiger: Ein schlechtes Turnier kann einen Spieler im Ranking um mehrere Plätze zurückwerfen, weil es weniger Ergebnisse gibt, die den Ausfall kompensieren.

Seit den Paralympischen Spielen 2024 in Paris hat die Sichtbarkeit des Rollstuhltennis deutlich zugenommen. Die Wettbewerbe wurden in Primetime-Sendefenstern ausgestrahlt und zogen ein Millionenpublikum an. Die ITF nutzt diese Aufmerksamkeit, um die Turnierstrukturen auszubauen und mehr Preisgeld in den Sport zu lenken. Noch sind die Summen nicht vergleichbar mit dem Fußgänger-Tennis, aber die Entwicklung zeigt nach oben, und jeder Schritt in Richtung Professionalisierung stärkt auch das Ranking als Karriereinstrument.

Wichtige Spielerinnen und Spieler

An der Spitze der Herren-Rangliste stand jahrelang der Japaner Shingo Kunieda, der mit 28 Grand-Slam-Titeln im Einzel der erfolgreichste Rollstuhltennisspieler der Geschichte ist. Kunieda beherrschte die Tour über fast zwei Jahrzehnte mit einer Beweglichkeit und Schlagpräzision, die selbst Fußgänger-Spieler beeindruckte. Nach seinem Rücktritt 2023 hat der Brite Alfie Hewett die Führung übernommen. Hewett dominiert die Tour mit einer Mischung aus Beweglichkeit, taktischer Klugheit und einem Aufschlag, der im Rollstuhltennis seinesgleichen sucht. Seine Rivalität mit dem Belgier Joachim Gérard prägte die letzten Jahre der Herrenrangliste.

Bei den Damen ist die Niederländerin Diede de Groot die unangefochtene Nummer 1. De Groot hat den Golden Slam im Rollstuhltennis erreicht, alle vier Grand Slams plus Paralympics-Gold in einem Kalenderjahr, eine Leistung, die im Fußgänger-Tennis seit Steffi Graf 1988 niemandem mehr gelungen ist. Ihre Dominanz ist so ausgeprägt, dass der Abstand zur Nummer 2 regelmäßig mehrere tausend Punkte beträgt. In der gesamten Geschichte des Damentennis, ob mit oder ohne Rollstuhl, gibt es nur wenige vergleichbare Phasen der Überlegenheit.

In der Quad-Kategorie ist der Niederländer Sam Schröder einer der prägenden Spieler. Mit seinem kraftvollen Spiel trotz erheblicher Einschränkungen der Armfunktion hat er gezeigt, dass in dieser Kategorie Athletik und Spielintelligenz auf höchstem Niveau zusammenkommen. Die Niederlande sind generell eine Hochburg des Rollstuhltennis, was auf jahrelange Investitionen in Infrastruktur und Trainerausbildung zurückgeht.

Deutsche Spieler sind im internationalen Rollstuhltennis-Ranking vertreten, auch wenn sie bisher nicht zu den absoluten Top-Positionen vorgestoßen sind. Der Deutsche Rollstuhltennis-Verband fördert Nachwuchstalente durch regionale Programme und Kooperationen mit den Landesverbänden des DTB. Die Basis ist da: In einem Land mit 44.454 Tennisplätzen und 8.794 Vereinen gibt es zunehmend barrierefreie Anlagen, die Rollstuhltennis ermöglichen.

ITF-Präsident David Haggerty hat die Richtung vorgegeben: „In 2019, we set ourselves the task of having 120 million people playing tennis around the world by 2030. The significant growth in participation reflects the proactive and sustained efforts of national associations.“ In diesem Ziel ist Rollstuhltennis ausdrücklich eingeschlossen. Die Weltrangliste stellt sicher, dass die Leistungen dieser Athleten sichtbar bleiben, gemessen werden und den Respekt erfahren, den sie verdienen.

Quellen