Die Masters-1000-Turniere sind das finanzielle und sportliche Rückgrat der ATP Tour. Neun Events, verteilt über den gesamten Kalender, bringen jeweils 1.000 Punkte für den Sieger und Preisgelder im zweistelligen Millionenbereich. Seit der Einführung des OneVision-Reformprogramms 2023 sind die Masters nicht nur Pflichtturniere für die Top 30, sondern auch die wirtschaftliche Triebfeder der gesamten Tour: Über das Profit-Sharing-Modell fließen Millionen an die Spieler zurück, die bei diesen Events Ranglistenpunkte sammeln.
Die neun Masters 1000 im Überblick
Der Masters-1000-Kalender beginnt im März mit Indian Wells und Miami, den beiden Sunshine-Double-Turnieren auf Hartplatz in den USA. Im April und Mai folgt die europäische Sandplatzsaison mit Monte Carlo, Madrid und Rom. Nach Wimbledon und der kurzen Rasensaison geht es zurück auf Hartplatz: Montreal oder Toronto im August, Cincinnati direkt danach, und Shanghai im Oktober. Den Abschluss bildet Paris-Bercy im November, das letzte Masters vor den ATP Finals.
Jedes dieser Turniere hat seine eigene Identität. Indian Wells, das „fünfte Grand Slam“ genannt, zieht mit seinem Wüstenambiente und dem 96-er Feld die größten Stars an. Madrid bietet mit seinem Magic Box-Stadion und der Höhenlage auf 650 Metern besondere Spielbedingungen, die den Ball schneller fliegen lassen als an jedem anderen Sandplatzturnier. Rom ist Tradition pur, mit dem Foro Italico als einer der schönsten Sportanlagen der Welt. Shanghai bedient den asiatischen Markt und hat durch die Feldvergrößerung auf 96 Spieler seit 2023 an Bedeutung gewonnen.
Acht der neun Masters sind Pflicht für Top-30-Spieler. Monte Carlo genießt als einziges den Sonderstatus eines freiwilligen Masters, bei dem kein Nuller in die Wertung eingeht, wenn ein Spieler absagt. An den übrigen acht Events muss jeder Top-30-Spieler teilnehmen, sofern keine Ausnahmeregeln greifen.
Punktetabelle Masters 1000
Die Punkteverteilung bei Masters-1000-Turnieren hängt von der Feldgröße ab. Es gibt zwei Formate: das erweiterte 96-er Feld, das seit 2023 für die größten Masters gilt, und das traditionelle 56-er Feld, das bei kleineren Events wie Monte Carlo beibehalten wird.
Im 96-er Format erhält der Sieger 1.000 Punkte, der Finalist 650, ein Halbfinalist 390 und ein Viertelfinalst 215. Die Achtelfinale bringen 120 Punkte, die dritte Runde 65, die zweite Runde 35 und die erste Runde 10. Durch das größere Feld gibt es eine zusätzliche Runde im Vergleich zum 56-er Format, was die Punkte in den frühen Runden etwas streckt.
Im 56-er Format entfällt die erste Runde für die meisten Spieler, weil die Top-Gesetzten ein Freilos erhalten. Der Sieger bekommt ebenfalls 1.000 Punkte, aber die Verteilung in den unteren Runden ist leicht anders gestaffelt. Monte Carlo, das einzige Masters im 56-er Format, bietet damit dieselbe Spitzenpunktzahl, aber einen kürzeren Weg zum Titel.
Für die Ranking-Berechnung ist entscheidend: Die Punkte eines Masters-1000-Events fließen als Pflichtergebnis in die Wertung ein. Ein Top-30-Spieler, der in Indian Wells in der ersten Runde verliert, hat 10 Punkte in seiner 18-er-Wertung stehen, die er nicht durch ein besseres Ergebnis bei einem kleineren Turnier ersetzen kann. Das unterscheidet die Masters von ATP-500- und 250-Events, bei denen die besten Ergebnisse zählen und schwache Resultate durch stärkere überschrieben werden können.
12-Tage-Format seit 2023
Die einschneidendste Reform der Masters-1000-Turniere unter OneVision war die Erweiterung von acht auf zwölf Turniertage. Bis 2022 dauerten die meisten Masters eine Woche plus ein verlängertes Wochenende. Seit 2023 haben die größten Masters, darunter Indian Wells, Miami, Madrid, Rom und Shanghai, ein 12-Tage-Format mit einem 96-er Feld.
Die Gründe für die Erweiterung sind primär kommerziell. Vier zusätzliche Turniertage bedeuten mehr Ticketeinnahmen, mehr Sendezeit, mehr Sponsorenaktivierungen. Laut dem OneVision-Strategiepapier der ATP ermöglicht das 12-Tage-Fenster den Turnieren, ihr Umsatzpotenzial voll auszuschöpfen. Gleichzeitig können mehr Spieler im Hauptfeld antreten, was die Punkteverteilung breiter macht und mehr Profis die Chance gibt, bei Top-Events Erfahrung und Preisgeld zu sammeln.
Für die Spieler bedeutet das Format mehr Zeit auf der Anlage, was physisch anspruchsvoller ist, aber auch mehr Erholungszeit zwischen den Runden bietet. Ein Spieler, der am Dienstag seine erste Runde spielt und erst am Freitag wieder antreten muss, hat zwei volle Tage für Regeneration. Im alten 8-Tage-Format wäre der Abstand deutlich kürzer gewesen.
Die Investitionen in die Infrastruktur sind erheblich. Cincinnati baut ein neues Stadion, Madrid hat die Magic Box erweitert, Rom renoviert den Foro Italico, und Shanghai hat sein Hauptstadion modernisiert. Diese dreistelligen Millionenbeträge wären ohne die erweiterten Formate, die höhere Einnahmen versprechen, kaum zu rechtfertigen.
Profit-Sharing: Spieler als Partner
Das Profit-Sharing bei den Masters 1000 ist die finanziell wichtigste Neuerung von OneVision. Die Formel ist einfach: Alle Nettogewinne, die ein Masters-1000-Turnier oberhalb des Basis-Preisgelds erwirtschaftet, werden zu 50 Prozent an die Spieler ausgeschüttet. Die Turniere behalten die andere Hälfte.
2024 belief sich die Profit-Sharing-Ausschüttung auf 18,3 Millionen Dollar, verteilt auf 186 Spieler. Das entsprach einem Aufschlag von 25 Prozent auf das ohnehin schon gezahlte Basis-Preisgeld. Jannik Sinner erhielt mit 1,33 Millionen Dollar den größten Einzelanteil, Alexander Zverev folgte mit 1,23 Millionen. Die Berechnung basiert auf einem Wert-pro-Punkt-System: Wer mehr Ranglistenpunkte bei Masters-Events sammelt, bekommt einen größeren Anteil am Pool.
Vor OneVision hatten Spieler keinen Einblick in die Finanzen der Turniere. Sie bekamen ihr Preisgeld und gingen. Jetzt unterliegen alle neun Masters-Turniere drei separaten Finanzprüfungen pro Saison, die volle Transparenz über Einnahmen und Ausgaben schaffen. Die Spieler wissen, wie viel ein Turnier verdient, und sie erhalten ihren fairen Anteil. Für die Ranking-Dynamik bedeutet das: Ein Punkt bei einem Masters-1000-Event ist nicht nur sportlich wertvoll, sondern hat einen konkreten Geldwert, der sich am Saisonende in einer Bonuszahlung materialisiert.

