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Equal Pay im Tennis: Preisgeld-Parität zwischen ATP und WTA

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Equal Pay im Tennis hat zwei Gesichter. Bei den vier Grand Slams zahlen Veranstalter seit 2007 gleiche Preisgelder an Herren und Damen. Auf dem Rest der Tour klafft dagegen eine Lücke von 65 Millionen Dollar pro Saison. Tennis wird gern als Vorbild für Geschlechtergleichheit im Sport zitiert. Die Realität ist differenzierter, und die Zahlen zeigen, dass der Weg zur vollen Parität noch über ein Jahrzehnt dauern wird.

1973: Die US Open als Vorreiter

Die Geschichte des Equal Pay im Tennis beginnt mit einem Ultimatum. Billie Jean King gewann 1972 die US Open und erhielt 10.000 Dollar Preisgeld. Der Herren-Sieger Ilie Nastase kassierte 25.000 Dollar. King drohte, die US Open 1973 zu boykottieren, wenn die Preisgelder nicht angeglichen würden. Die USTA gab nach, und die US Open wurden 1973 das erste Grand-Slam-Turnier mit gleichen Preisgeldern für Herren und Damen.

Es war ein revolutionärer Schritt, der seiner Zeit weit voraus war. Kein anderer Major zog in den nächsten Jahrzehnten nach. Die Australian Open führten Equal Pay erst 2001 ein, die French Open und Wimbledon folgten 2006 beziehungsweise 2007. Wimbledon war der letzte Holdout, und es brauchte massiven öffentlichen Druck und eine Kampagne der WTA, um das All England Club-Komitee zum Umdenken zu bewegen.

Zwischen 1973 und 2007 lagen 34 Jahre, in denen gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt wurde. Die Begründungen wechselten über die Jahrzehnte: Herren spielen Best-of-Five, ziehen mehr Zuschauer, generieren mehr TV-Einnahmen. Alle diese Argumente haben einen wahren Kern, und alle greifen zu kurz, wenn man sie als Rechtfertigung für ungleiche Bezahlung am selben Turnier, am selben Ort, vor demselben Publikum heranzieht.

Grand Slams: 254 Millionen Dollar Parität

Seit 2007 zahlen alle vier Grand Slams gleiche Preisgelder. Der kombinierte Preisgeldtopf der vier Majors lag 2024 bei über 254 Millionen Dollar, aufgeteilt zu gleichen Teilen zwischen Herren und Damen. Die US Open 2025 erreichten mit 90 Millionen Dollar einen neuen Rekordwert, wobei beide Einzelsieger jeweils 5 Millionen Dollar erhielten.

Die Grand Slams sind damit das einzige Segment im professionellen Tennis, in dem vollständige Preisgleichheit herrscht. In keinem anderen Teamsport oder Individualsport auf der Welt gibt es ein vergleichbares Modell: Vier jährliche Großveranstaltungen, bei denen Herren und Damen identische Preisgelder erhalten, vom Erstrunden-Verlierer bis zum Champion.

Die finanzielle Tragweite ist erheblich. Für die Top-10-Damen sind Grand-Slam-Preisgelder die wichtigste Einnahmequelle. Aryna Sabalenka verdiente allein bei den US Open 2025 fünf Millionen Dollar. Ohne die Grand-Slam-Parität läge das Gesamteinkommen der Top-Spielerinnen deutlich niedriger, und die Kluft zur Herrentour wäre noch gravierender.

Der Tour-Level-Gap: 215 Millionen vs. 150 Millionen Dollar

Außerhalb der Grand Slams sieht die Rechnung anders aus. Die ATP schüttete in den letzten Saisons rund 215 Millionen Dollar an Preisgeld über ihre Tour-Events aus. Die WTA kam auf rund 150 Millionen Dollar. Die Differenz: 65 Millionen Dollar pro Saison, ein Gap von 43 Prozent.

Diese Lücke hat strukturelle Ursachen. Die ATP hat mehr Turniere in höheren Preisgeldstufen: neun Masters-1000-Events mit Preisgeldern jenseits der 10 Millionen Dollar, während die WTA zwar zehn WTA-1000-Turniere hat, aber mit niedrigeren Preisgeldern. Dazu kommen die ATP-Bonus-Pools, das Profit-Sharing und der Fixed Bonus, die es in dieser Form bei der WTA nicht gibt.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Diskrepanz. Bei den Cincinnati Open 2025, einem Event, bei dem Herren und Damen gleichzeitig spielen, in denselben Stadien, vor demselben Publikum, erhielten die Herren rund 9,2 Millionen Dollar Preisgeld, die Damen 5,2 Millionen. Beide Seiten spielen Best-of-Three, das Format ist identisch. Die Preise sind es nicht.

Die Ursachen sind komplex und historisch gewachsen. Herren-Events generieren in vielen Märkten höhere TV-Einschaltquoten, was höhere Broadcast-Erlöse ermöglicht. Die ATP hat durch OneVision eine Infrastruktur aufgebaut, die Turniergewinne direkt an Spieler weiterleitet, ein Modell, das die WTA erst entwickeln muss. Dazu kommen die ATP-Bonus-Pools von über 21 Millionen Dollar, das Profit-Sharing von 18,3 Millionen und das Baseline-Programm, alles Instrumente, die es bei der WTA in dieser Form nicht gibt. Historisch gewachsene Verträge begünstigen die Herrentour zusätzlich, weil sie schlicht älter ist und länger verhandelt hat.

Die WTA-Gesamtzuschauerzahlen zeigen allerdings, dass die Nachfrage vorhanden ist: 1,1 Milliarden kumulative Zuschauer in der Saison 2024, ein Anstieg von 10 Prozent. Die Diskrepanz zwischen wachsendem Interesse und stagnierender Preisgleichangleichung ist der zentrale Widerspruch des aktuellen Damentennis.

WTA-Fahrplan: 2027 und 2033 als Meilensteine

Die WTA hat einen konkreten Zeitplan vorgelegt, um die Preisgleichheit auf Tour-Ebene zu erreichen. Bis 2027 sollen alle WTA-500- und WTA-1000-Turniere, die gleichzeitig mit ATP-Events stattfinden, gleiche Preisgelder zahlen. Bis 2033 soll die volle Parität auf allen Turnierebenen erreicht sein.

Dieser Fahrplan wird durch das Investment der CVC Capital Partners unterstützt, die 2023 einen signifikanten Anteil an der WTA erworben haben. Das Geld fließt in Turnierinfrastruktur, Marketing und die Anhebung der Mindest-Preisgelder bei kleineren Events. Die britische LTA ging 2025 mit gutem Beispiel voran und kündigte an, bei ihren Rasenturnieren in Queen’s Club und Eastbourne die Preisgelder bis spätestens 2029 vollständig anzugleichen. Portia Archer, CEO der WTA, kommentierte: „We fully support the LTA’s initiatives to increase the women’s prize pot. This move sends a powerful message that the women’s game is valued.“

Der Fahrplan ist ambitioniert, aber nicht ohne Risiken. Die Angleichung der Preisgelder erfordert höhere Einnahmen bei WTA-Events, und diese Einnahmen hängen von TV-Verträgen, Sponsoring und Zuschauerzahlen ab. Wenn die WTA ihr Wachstum der letzten Jahre fortsetzen kann, ist 2033 realistisch. Wenn die Einnahmen stagnieren, wird der Zeitplan unter Druck geraten.

Für die Spielerinnen bedeutet der Fahrplan: Die nächsten sieben Jahre entscheiden, ob Equal Pay im Tennis eine Realität wird oder ein Versprechen bleibt, das an den wirtschaftlichen Bedingungen scheitert. Die Grand Slams haben gezeigt, dass Parität möglich ist. Die Frage ist, ob der Rest der Tour nachzieht.

Quellen